Tonspuren der Generationen: Wenn kleine und große Hände gemeinsam Ton begreifen
In meiner täglichen Arbeit als Kunsttherapeutin darf ich immer wieder erleben, wie Kunst Menschen öffnet, wo Worte manchmal fehlen. In unserer schnelllebigen Zeit laufen sich Jung und Alt im Alltag leider gar nicht mehr so oft über den Weg. Das gegenseitige Verständnis und die wertvolle Weitergabe von Lebenserfahrungen drohen dadurch manchmal ein bisschen verloren zu gehen.
Genau hier wollten wir ansetzen! Mit dem Herzensprojekt „Tonspuren der Generationen – Gemeinsames Töpfern verbindet“ durfte ich eine Brücke schlagen. Durch die Initiative der Kindertagesstätte „Zwergenland“ in Cainsdorf, wurde das Projekt mit 9 Vorschulkindern und 9 Seniorinnen Im April 2026 ins Leben gerufen. Unser Ziel war es, im Erdgeschoss des ASB-Seniorenzentrums „Am Rödelbach“ in Wilkau-Haßlau einen geschützten Raum für echte Begegnungen, Austausch und gemeinsames Handeln zu schaffen.
Als kunsttherapeutisches Medium haben wir ganz bewusst Ton gewählt. Er ist ein wunderbares Material: Er lädt durch seine Beschaffenheit zum Fühlen ein, spricht die Sinne an und erfordert absolut keine Vorkenntnisse. Uns ging es von Anfang an nicht um das perfekte, makellose Endprodukt – im Mittelpunkt stand ganz klar das gemeinsame Tun, das Erleben und das gegenseitige Verstehen.
Wenn aus Fremden im Nu ein Team wird
Für dieses generationenübergreifende Abenteuer kamen neun aufgeweckte Kita-Kinder (5–6 Jahre) und neun erwartungsvolle Seniorinnen im großen Gemeinschaftsraum zusammen. Unterstützt wurde ich vor Ort von zwei tollen Erzieherinnen. Um den Einstieg leicht und spielerisch zu gestalten, habe ich ein Früher-Jetzt-Spiel vorbereitet, bei dem sich alle einander annäherten.
Als ich die Runde mit den Worten eröffnete: „Heute erzählen wir Geschichten – aber nicht mit Worten allein, sondern mit Ton“, konnte man die Neugier im Raum förmlich greifen. Bei einer ersten Sinnesübung durften alle den Ton drücken, rollen und befühlen. Fragen wie „Wie fühlt sich das für dich an?“ haben wunderbar geholfen, im Hier und Jetzt anzukommen und die Fantasie anzuregen.


1. Das Gestalten von gemeinsamen Erinnerungskacheln im Format von ca. 20 x 20 cm in Relief-Technik
Durch gezielte Impulsfragen von mir tauchten die Tandems tief in ihre Lebensgeschichten ein. Die Seniorinnen und Senioren erzählten den Kindern von ihren schönsten Kindheitserinnerungen, alten Hobbys oder einem Lieblingstier. Die Kinder lauschten mit großen Augen und halfen im Anschluss begeistert dabei, diese Erzählungen in den Ton zu ritzen, zu formen oder als kleine Tonstücke aufzubringen. Im Gegenzug teilten die Kinder ihre heutigen Wünsche und Hobbys.
Für alle Beteiligten war es wunderschön zu beobachten, wie die Generationen Vorurteile abbauten und sich gegenseitig wertschätzten. Das gegenseitige Loben und das gemeinsame Überwinden von kleinen „Kreativ-Hürden“ hat das Selbstvertrauen der Kinder und der älteren Menschen sichtlich gestärkt. Nach einer reflektierenden Abschlussrunde habe ich die Kunstwerke eingepackt. In meiner eigenen Werkstatt durften sie zwei Wochen trocknen, bevor ich sie dem ersten Ofenbrand (dem Schrühbrand) unterzogen habe.

2. Mit Farbe Gefühlen Ausdruck verleihen
Fünf Wochen später saßen sich unsere Tandems zum zweiten Mal gegenüber. Alle waren neugierig, wie es wohl weiter geht. Nun ging es an das farbige Gestalten der geschrühten Kacheln mit Glasuren.
Dieses Mal stand der emotionale Ausdruck durch Farbe im Fokus. Während die Pinsel über den Ton glitten, wurden die neu geknüpften Bekanntschaften ganz ungezwungen vertieft. Es wurde gelacht, sich erinnert und gestaunt.
Zum Abschluss haben wir alle fertigen Objekte gemeinsam betrachtet und den gesamten Prozess reflektiert. Die Kacheln sind optisch ein absoluter Traum geworden – aber das eigentliche, viel wertvollere Kunstwerk war die spürbare Verbundenheit im Raum. Nach dem finalen Glasurbrand in meinem Ofen werden die Kacheln bald als bleibende Erinnerung an einer Wand in der Einrichtung aufgehängt.

Diese therapeutisch-kreativen Mittel haben wir genutzt:
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Das Material Ton: Regt die Taktilität an, erdet und baut Stress ab.
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Werkzeuge für die Feinmotorik: Modellierhölzer, Schlingenwerkzeuge und Schwämme zum Formen und Glätten.
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Kreative Techniken: Das Modellieren von Hand sowie das Arbeiten mit Platten, Wülsten und Kugeln.
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Oberflächengestaltung: Das Einbringen von Texturen durch Stempel und feines Einritzen für den individuellen Ausdruck.
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Glasuren und Farben: Als finales Ventil für Emotionen und die eigene Persönlichkeit.
Dieses Projekt hat mir wieder einmal gezeigt: Wenn kleine und große Hände denselben Ton formen, entstehen bleibende Spuren – in der Keramik und vor allem in den Herzen der Menschen.
Ein großes Danke von Herzen!
Ein so schönes und intensives Projekt lässt sich nur mit starken Partnern an der Seite realisieren. Ich möchte mich daher ganz herzlich beim Kulturraum Vogtland-Zwickau für die großzügige Unterstützung bedanken. Ohne diese Förderung wäre die Umsetzung in dieser wunderbaren Form nicht möglich gewesen!









Eure Jana Karl (Juni 2026)

